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Wer Tribal
Style tanzen lernen will, ist meist vor allem auf Videos angewiesen.
Regelmässigen Unterricht gibt es in unseren Breitengraden kaum,
auch wenn in letzter Zeit vermehrt Workshops angeboten werden (sogar
mit Dozentinnen aus den USA).
So kommt
es, dass die meisten Tribal Style-Tänzerinnen im deutschen Sprachraum
die gleiche Basis haben, die vor allem aus den Lehrvideos von FatChanceBellyDance
oder auch Gypsy Caravan und Kajirah Joumanah besteht.
Letzthin sah ich auf verschiedenen Show-Videos zweimal die gleiche europäische
Tribal Style-Gruppe tanzen. An beiden Shows verwendeten sie ausschliesslich
Bewegungen der FCBD-Videos – nicht gerade aufregend, vor allem
wenn man bedenkt, dass auf den Videos ja auch nur ein Bruchteil des gesamten
Bewegungsrepertoires von FCBD enthalten ist...
Ich habe
auch schon den Begriff "authentischer Tribal Style" gesehen.
Im Ursprungsland USA würde man über so eine Bezeichnung nur
den Kopf schütteln - denn als Mischform aus verschiedenen Stilen
ist Tribal Style ja gerade so wenig authentisch wie nur möglich.
Den Tribal-Style auf einige wenige Bewegungen zu reduzieren, an denen
eisern festgehalten wird, ist eigentlich gerade entgegen dem Grundgedanken
des Stils, nämlich der laufenden Weiterentwicklung und Vermischung
von verschiedenen Einflüssen.
Es gilt auch zu bedenken, dass es gerade in den USA neben den bei uns
bekannten Tanzgruppen noch unzählige weitere gibt, die halt keine
Videos produzieren und somit bei uns keinen Einfluss auf die Tribal-Szene
haben. Ausserdem sind gerade die FCBD-Videos zum Teil schon fast 10 Jahre
alt und wir können sicher sein, dass diese sehr aktive Gruppe sich
mittlerweile stark weiterentwickelt hat.
Glücklicherweise
sind die Tanzstämme im deutschsprachigen Raum, von denen ich schon
einige an Tribal-Treffen gesehen habe, offen für Neues und bringen
auch ihre eigene Kreativität in den Stil ein, sodass die Gruppen
nicht nur ein schlechter Abklatsch des amerikanischen Vorbilds sind
sondern ein eigenes, individuelles Tanzrepertoire kreieren.
Wichtig ist beim Entwickeln von neuen Bewegungen, dass diese innerhalb
des Stils passen. Dazu muss man natürlich erst einmal definieren,
was denn Tribal Style so ausmacht und wann die Entwicklung darüber
hinausgeht. So hat zum Beispiel Jill Parker, die einige Zeit Mitglied
von FCBD war, mit ihrer Truppe Ultra Gypsy die Fusion soweit getrieben,
dass sie als Konsequenz den Begriff "Tribal" weitgehend fallengelassen
hat.
Stil-Definitionen
Typisch
am Tribal Style ist eine aufrechte, stolze Haltung. Dazu werden die
Arme in offenen, weiten Posen oder Bewegungen geführt. Hüftbewegungen
sind eher gross und von weitem gut sichtbar. Innerhalb dieses Schemas
lassen sich neue Bewegungen integrieren. Wichtig ist auch der Grundgedanke
der Improvisation in der Gruppe – sicher eines der auffallendsten
Merkmale, das Tribal Style von „normalen“ orientalischen
Gruppentänzen unterscheidet.
Zu vermeiden ist alles Kokette, Verspielte, da dies nicht zum Bild der
erhabenen Stammesfrauen passt. Ausserdem zu schnelle oder nicht genau
definierte Bewegungswechsel und schlampige Armhaltungen. Gruppentanz
lebt dadurch, dass die Tanzenden sich synchron bewegen. Dies verlangt
nach einfachen, gut nachvollziehbaren Bewegunsmustern.
Da die Gruppe nur schon allein durch ihre Masse wirkt, ist es sowieso
nicht nötig, allzu komplizierte Bewegungen zu tanzen – lieber
simple, die dafür auch von allen Gruppenmitgliedern leicht nachvollzogen
werden können. Beim Stamm Nesimah gilt zum Beispiel die Devise,
dass sich alle nach dem schwächsten Mitglied der Gruppe richten
müssen.
Ideen und
Tipps
Inspirationen
für neue Bewegungen gibt es eigentlich überall – sei
es im klassisch Orientalischen Tanz, in der Folklore oder anderswo.
Einzelne Mitglieder unseres Stammes bringen Ideen aus verschiedenen
Bereichen ein. Ob im Flamenco-Unterricht, beim brasilianischen Strassenfest
oder auf einem libanesischen Tanzvideo – wir halten unsere Augen
offen und picken uns Bewegungen heraus, die uns gefallen, um sie nachher
in unseren Stil zu integrieren.
Manchmal bemerkt auch eine von uns, dass eine bestimmte Bewegungsgruppe
oder –richtung noch nicht im Repertoire vertreten ist, dann überlegen
wir uns gemeinsam, wie wir diese einbringen könnten.
Um Bewegungen aus anderen Stilen anzupassen, tanzen wir sie erst einmal
zusammen und prüfen, wie sie aus Distanz betrachtet wirken. Dann überlegen
wir uns, mit welchem Kommando wir dazu in der Improvisation einleiten
könnten.
Anschliessend halten wir ganz genau fest, wie Kopf, Arme und Körper
gehalten werden, wie das Gewicht auf den Füssen verteilt ist, was
die Hüften machen usw. Wir haben alle unsere Bewegungen schriftlich
festgehalten, damit alle Stammestänzerinnen sich an die Definition
halten können. Wir geben auch all diesen Bewegungen Namen, damit
sie schnell abrufbar sind. Da es in unserem Stamm keine Chefin gibt,
die allein bestimmt, ist die Entwicklung von neuen Bewegungen immer mit
viel Palaver verbunden. Das kann natürlich etwas länger dauern,
fördert aber den kreativen Prozess und gibt auch allen das Gefühl,
dass es wirklich „unsere“ Bewegungen sind, die wir tanzen.
Neue Bewegungen sind auch ein gutes Mittel, Abwechslung in den Tanz zu
bringen, zum Beispiel Körperausrichtung in verschiedene Diagonalen,
Armhaltungen vor / neben / über dem Körper, Drehungen, Bewegung
im Raum, verschiedene Höhen-Ebenen usw. Nicht zu vergessen auch
verschiedene Zimbel-Mustern!
Die Möglichkeiten
sind fast grenzenlos und bieten jeder Tanzgruppe eine Möglichkeit,
ihren eigenen, speziellen Stil innerhalb von Tribal Style zu schaffen.
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